Über mich

Schon zur Grundschulzeit in den 1960er Jahren (damals noch Volksschule genannt) wurde mir die Stadt dank einer rührigen Klassenlehrerin nahegebracht.

Später habe ich dann „meine“ Stadt alleine erkundet, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der Straßenbahn.

Nicht nur die nähere Umgebung war spannend (wir haben in unserem Stadtteil eine „eigene“ Wasserburg), je größer der Radius der Erforschung wurde, desto spannender war die ganze Angelegenheit.

Besonders die Touren in Gegenden (Stadtteile), die nicht zum üblichen Tagesablauf gehörten (Schulweg, Einkaufwege – z.B. einmal im Monat in die „Stadt“, Verwandtenbesuche), waren für mich als Jugendlichem sehr aufregend.

Als der nächste Lebensabschnitt begann, die Ausbildung zum Schriftsetzer (heute zum Mediengestalter mutiert), kam ich mit jeder Art von Druckerzeugnissen in Kontakt. Zu der Zeit noch im Bleisatz aus Setzkästen erstellt.

 

 

Bild: So oder so ähnlich sah es auch noch in den 1970er Jahren in den Setzereien aus (Foto von 1925)

Irgendwann (ich war Jung-/Erstwähler) kam die Bitte der Stadt Köln, doch als Wahlhelfer zu fungieren. Dieser Bitte bin ich mehr als 30 Jahre nachgekommen.

Hier kam ich in einen ganz anderen Kontakt zu meiner Stadt – durch die jeweiligen Straßenverzeichnisse, die so viel mehr an Informationen bereithielten, als die Listen zu Stadtplänen oder Telefonbüchern.

Nicht nur die Anzahl der Straßen, Wege usw. war in dieser komprimierten Form schon immer wieder toll anzusehen, jetzt erfuhr ich erstmals, daß jede Straße, jeder Weg, jeder Platz und jede Brücke eine eigene laufende Nummer (Straßen-Schlüsselnummer) besitzt.

Daneben die jeweilige Zuordnung zu den Stadtbezirken und Stadtteilen oder zu Wahl- und Stimmbezirken.

Wenn man dann, wie ich, mehrfach innerhalb der Stadt umzieht und an einer Straße wohnt, mit dessen Namen man so gar nichts anfangen kann und auch die Kinder fragen, „wieso heißt die Straße so wie sie heißt“, kommt man ins Grübeln.

So fing ich Ende der 1980er Jahre an, auf kleinen Karteikarten erste Informationen zu sammeln. Für den Anfang waren einige Bücher hilfreich, die sich mit den Straßennamen in entsprechenden Stadtteilen beschäftigten (Altstadt, Mülheim, Lindenthal).

Plötzlich hatte mich das Thema „Straßennamen“ gefangen und ich wollte nun mehr wissen.

Parallel wuchs die Idee, das mal selber in einem Buch zusammenzufassen – ich hatte ja die Herstellung von Druckerzeugnissen vn der Pike auf gelernt – und zwar als Lexikon, das alle Fakten zu den jeweiligen Straßennamen aufführt.

Durch einen Besuch mit der Berufsschulklasse wußte ich, wo das Historische Archiv der Stadt Köln zu finden ist; am Rathaus, im Bürger-Informationsladen, hoffte ich, weitere Auskünfte zu erhalten. Hier wurde ich dann auf das „Zentrale Straßennamen-Archiv“ der Stadtverwaltung Köln aufmerksam gemacht, das sich damals noch in der Innenstadt befand.

Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten erhielt ich hier die Erlaubnis, mir jede Straßenakte anzusehen und die für mich wichtigen Informationen herauszuschreiben – und wirklich JEDE amtlich benannte Straße hat hier einen eigenen Ordner.

Hinzu kam die Faktensuche in den vielen weiteren Archiven meiner Stadt, vom NS-Dokumentationszentrum über das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv bis zum Tanzarchiv.

Heraus kamen mehr als 5000 Karteikarten, die sich immer mehr füllten, bis ich Ende der 1990er Jahre anfangen konnte, alles auf dem Rechner zu erfassen und in Buchform zu bringen.

Durch die freundliche Hilfe eines Sponsors erschien im März 2000 mein erstes „Kölner Straßennamen-Lexikon“.

Doch, auch stolz bin ich, daß ich als Nicht-Akademiker ohne Abitur und Studium eine „wissenschaftliche Leistung“ (Zitat eines promovierten Historikers) erbracht habe.

 

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